Böhmisch-Sächsische Elbefahrt von Děčín nach Coswig/Sa.
21.-22.05.2011

Kurort Rathen
Start der Böhmisch-Sächsischen Elbefahrt in Děčín

Böhmisch-Sächsische-Elbe-Fahrt 2011
(Fotogalerie)

Bootshänger aufladen
Booshänger beladen in Coswig/Sa.


Eine Zweitagesfahrt für Genießer ist die Paddeltour von Děčín nach Coswig/Sachsen, die jährlich durch den sächsischen Coswiger Kanuverein organisiert wird. Petra und ich haben uns trotz widersprüchlicher Wetterprognosen zu dieser Fahrt angemeldet und haben es in keiner Weise bereut.

Nach einer zweistündigen Anfahrt kommen wir gegen 18 Uhr beim Coswiger Kanuverein an und werden sehr herzlich durch den Fahrtenleiter Wolfgang Thon empfangen. Wir werden mit dem sehr gepflegten Vereinsgelände vertraut gemacht und kommen schnell mit anderen Fahrtenteilnehmern ins Gespräch. 19 Uhr ist das Beladen des Bootsanhängers angesagt - alle Boote passen drauf. Dann beginnt die Fahrtenbesprechung. Es sind insgesamt 16 Teilnehmer, die aus Leipzig, Luckenwalde, Recklinghausen, Coswig/Sa. und aus Roßlau/Elbe kommen. Nun ist es nicht so, dass es "nur" 16 Teilnahmer sind: wegen des Bootstransportes nach Děčín ist die Teilnehmerzahl limitiert - und der Bootshänger ist voll! Wolfgang legt noch den Teilnehmerkreis für die Bahnfahrt und für die Mitfahrt im Transporter fest und für uns beginnt eine außergewöhnlich ruhige Nacht im Bootshaus - einzig der Kuckuck stört die Ruhe.


Decin
Děčín - Einsetzstelle

Die Fahrt am Samstag Morgen nach Děčín verläuft entspannt und reibungslos. Petra und ich sind im Transporter), so dass wir die Boote schon abladen und auf einer Wiese ablegen können, bevor die Zugfahrer ankommen. Die Faltbootfahrer bauen die Boote zusammen und Johanna, die lange nicht gepaddelt ist, macht erste Sitzproben schon an Land. Wolfgang II hat Material dabei und erläutert uns die Pläne der Tschechen zum Bau der Elbestaustufe bei Děčín. Die Pläne dafür gibt es seit Anfang der 1990er Jahre, lagen zwischenzeitlich auf Eis, sind aber derzeit wieder aktuell. 9:45 Uhr ist ablegen. Der Wasserstand ist extrem flach, trotzdem gibt es beim Einsteigen am sehr steinigen Ufer keine größeren Probleme, zumal auch ein kleiner Bootssteg zur Verfügung steht.

Wir paddeln bei "Kaiserwetter" los - Sonne und leichter Rückenwind. Děčín hat knapp 52.000 Einwohner, was man vom Wasser aus gar nicht vermutet. Rechterhand passieren wir das Schloss Děčín, das auf eine erste Befestigung aus dem 10. Jh. zur Kontrolle der Elbschifffahrt zurückgeht. Gegenüber dem Schloss, auf der linken Elbseite, passieren wir die Schäferwand (Pastýřská stěna), ein 100 m hoher Sandsteinfelsen, auf dem sich der Zoo und ein Ausflugsrestaurant befinden.


Schäferwand
Děčín - Schäferwand

Nachdem wir alle vier Elbbrücken von Děčín durchpaddelt haben, kommen wir in das Paradies der Böhmischen Schweiz. Die Elbe schlängelt sich durch bewaldete Berghänge, Natur pur, es ist eine Freude hier zu paddeln. Petra erinnert mich, dass wir in einem Zweier sitzen und ermahnt mich, auch mal zu paddeln, denn ich werde mit dem Fotografieren nicht fertig. Falk macht es anders, er padddelt mit seinem Canadier voraus, sprintet an Land und hält so die Eindrücke fest.

Böhmische Schweiz
In der Böhmischen Schweiz

Wir passieren Čertova Voda und erreichen bald die Gierfähre bei Dolní Žleb. Hier baden Kinder und es herrscht sommerliches Treiben an der Elbe. Bei Labe-km 730 endet die tschechische Kilometrierung, die in den letzten Jahren komplett umgestellt wurde und auf einen Kilometer 0 an der Elbmündung in Cuxhaven basiert. Allerdings wird in Deutschland umgekehrt kilometriert. Somit steht an der Grenze zwischen Tschechien und Deutschland hier direkt an der Gelobtbachmühle Schöna ein Doppelkilometerschild: 730 für die Labe und 0 für die Elbe. Die Elbe ist ab hier auf den nächsten 4 Kilometern Grenzfluß - links ist schon Deutschland, rechts ist noch Tschechien. Wir paddeln weiter bis Hřensko, dem letzten tschechischen Ort auf der rechten Elbseite und machen Pause. Der Wasserstand ist zum Anladen sehr günstig: direkt neben und unter der Brücke über die Kamnitzmündung befinden sich schöne Sandbänke. Falk sucht wieder Fotomotive und krakselt über Flussgestein in der Kamnitz. Beim Verlassen der eigentlich sicheren Sandbank (Anlegestelle) erwische ich Treibsand, versinke augenblicklich bis über beide Oberschenkel im Sand, gebe erschrockene Hilferufe von mir, ziehe mich aber selbst wieder heraus und ernte Freude bei den durch meine Hilferufe aufmerksam gemachten Beobachtern dieser Situation.

Mittag essen wir preiswert im Hotel gleich auf der anderen Straßenseite. Die Boote liegen nur ca. 100 m entfernt, das beruhigt. Nach dem Essen besichtigen Petra und ich kurz den Markt, der sich an der Kamnitz entlangzieht. Er bietet viele interessante "Markenartikel". Nach ca. 75 min. geht unsere Paddeltour weiter.

Kanustation Wehlen
Wehlen - Kanustation "Verein Kanusport Dresden"

Bei Elbe-km 4 erreichen wir Schmilka. Wir sind jetzt im deutschen Elbsandsteingebirge. Die Landschaft wird felsiger und der Lilienstein schein in der Mitte der Elbe zu stehen. Bis dorthin allerdings passieren wir bei strahlendem Sonnenschein Bad Schandau, "umfahren" den Lilienstein, passieren die beeindruckende Festung Königstein und steuern auf die Bastei zu. Hier in Rathen ist wieder die Gierfähre zu beachten, bevor wir bei Elbe-km 25 unser Tagesziel erreichen - die Kanustation des "Verein Kanusport Dresden e. V." in Wehlen. Ein gepflegter Rasen begrüßt uns schon von weitem. Der flache Wasserstand macht es hier etwas mühsam, die Boote gefahrlos aus dem Wasser zu bringen. Zuerst lasse ich mir aber ein aus Hřensko mitgebrachtes Budweiser schmecken, bevor es ans Auspacken und Einrichten des Nachtlagers geht. Das Gebäude der Kanustation darf nur in den bereitgestellte Hausschuhen betreten werden. Der "Schlafsaal" befindet sich auf dem "Boden" und ist für ca. 20 Personen mit Schaumstoffmatratzen ausgelegt. Er ist über eine sehr steile Holztreppe zu erreichen.

Das Abendessen findet wiederum sehr preiswert nach einem ca. 1 km langen Fußmarsch in einer Freiluftgaststätte in Wehlen statt. Der Spaziergang tut zum Tagesausklang gut. Und selbst das Fest der Feuerwehr in Wehlen mit Live-Band stört uns beim Schlafen wenig, denn die Windrichtung stimmt und treibt den Sound von uns weg.

Spiegelglatt
Spiegelglatte Elbe zwischen Wehlen und Pirna
Der Morgen des zweiten Tages empfängt uns wieder in bester Manier. Sonne und leichter Südostwind. Die taunassen Boote trocknen während des Packens ab. Vor dem Ablegen gegen 9 Uhr wird das obligatorische Gruppenfoto geschossen und schon geht es weiter. Wir erreichen Pirna. Petra und ich erfahren von Rolf, dass das hoch über der Elbe stehende "Schloss Sonnenstein" derzeit denkmalgerecht saniert und danach unter anderem Sitz der Verwaltung des "Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge" wird. Wir durchpaddeln die 1875 erbaute Pirnaer Stadtbrücke und verlassen damit den gebirgigen Teil unserer Paddeltour.

Wladschlößchenbrücke
Dresden - Waldschlößchenbrücke
Nach wenigen Kilometern erreichen wir Dresden. Für die nächsten 20 km erwartet uns die wunderschöne Dresdner Stadtdurchfahrt, angefangen bei Schloss Pillnitz (Elbe-km 43) bis zur Autobahnbrücke der A4 (Elbe-km 63). Die Durchfahrt zu beschreiben ist im Rahmen dieser Tourenbeschreibung ein fast unmögliches Unterfangen - man muss es einfach erleben. Kurz hinter der Großbaustelle der Waldschlösschenbrücke ist für alle Hungrigen ein Stopp zu Mittag geplant. 2 km stromab ist die Uferpromenade der Altstadt durch das derzeit in Dresden stattfindende Dixilandfestival mehr als gut besucht. Auch die großen Sandbänke am Neustädter Ufer sind enorm bevölkert. An der Elbterrasse direkt an der Semperoper erklingt Live-Dixilandmusik.

Dresden - Neustädter Ufer
Dresden - Neustädter Ufer (Gebäude der Sächsischen Staatskanzlei)
Der Rest der Tour ist fast "Routine": Dresden-Cotta, Radebeul, Niederwartha und dann die "Flutlichter" am Coswiger Bootshaus, die wir von der Stromelbe aus sehen. Wir paddeln am Kilometerschild 74 vorbei und biegen dann rechts in den "Hafen" ein, wo wir bald das Bootshaus des sächsischen Coswiger Kanuvereins erreichen.

Für Petra und mich war es ein Erlebnis, bei idealen Wetterbedingungen mit einer kleinen, harmonischen Gruppe von Paddlern diesen schönen Teil der Elbe völlig stresslos zu durchpaddeln. Wir möchten uns beim sächsischen Coswiger Kanu-Verein, besonders beim Fahrtenleiter Wolfgang Thon, recht herzlich für die hervorragende Organistation dieser Fahrt bedanken. Es war ein bleibendes Erlebnis.


Wertung: sehr empfehlenswert.      Achtung: begrenzte Teilnehmerzahl.


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