Die Labe - von Melnik bis Grenze D (km 836 - 730/734)
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Roudnice nad Labem - Labe km 810 (alt 27)
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Schleuse Dolní Beřkovice (km 830,5) und Schleuse Štětí (km 819)

Roudnice nad Labem - Stau vor dem Wehr - Labe km 810 (alt 27)
Würden wir jetzt mit dem Boot unterwegs sein, würden wir kurz hinter Mělník die Stadt Dolní Beřkovice (Unter Berschkowitz) erreichen. Die Stadt befindet sich auf dem linken Labeufer mit einer vorgelagerten Insel. Die Labe macht hier eine Linksbiegung. Kurz hinter der kleinen Stadt mit nur knapp 1.500 Einwohnern befindet sich die nächste Staustufe mit Schleuse bei km 830.5 (alt 6,7) - Einfahrt links.
Die Labe kann nun wieder 11,5 km frei fließen, bis sie die etwas größere Stadt Štětí (Wegstädtl) mit ca. 9.000 Einwohnern am rechten Ufer erreicht. 2,5 km hinter der kombinierten Eisenbahn- und Straßenbrücke hinter einer Linksbiegung der Labe ist die nächste Staustufe mit Schleuse bei km 819 (alt 18) - Einfahrt links.
Man könnte meinen, die Labe will jetzt wieder zurück: denn die Labe ändert ab hier die Richtung von nordwest auf südwest, ein Stück sogar Richtung süd - aber nur bis zur nächsten größeren, sehenswerten Stadt: Roudnice nad Labem. Breit angestaut nähert sich die Labe der nächsten Staustufe. |
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Roudnice nad Labem (Raudnitz) - Labe km 810 (alt 27)

Roudnice nad Labem - rechter Fluter -> Wildwasserstrecke
Den Wassersportler erwartet an der Brücke in der Mitte ein Wehr über 3 Joche, rechts die Einfahrt für Spezialisten zur Wildwasserstrecke und links die kanalisierte Einfahrt zur Schleuse, die sich selbst aber erst ca. 1 km hinter der Brücke befindet.
Roudnice nad Labem ist einen Abstecher wert. Die Stadt hat uns sofort gefallen. Sie hat ca. 13.000 Einwohner und liegt am linken Labeufer. Sie wurde bereits 1167 zum ersten Mal erwähnt und war im Mittelalter Residenz der Prager Bischöfe. Die erste steinerne Labebrücke wurde bereits 1338 erbaut. Die derzeitige Labebrücke wurde 1906-1910 erbaut. Von der Labebrücke bis zur denkmalgeschützten Innenstadt sind es nur ca. dreihundert Meter. Hier kann man entspannt in einem der Staßencafes den wunderschönen zentralen Platz genießen. Man kann sehr sorgfältig restaurierte Hausgiebel und Torfassaden bewundern, und natürlich das Wahrzeichen der Stadt: das Schloss. Es wurde im 17. Jahrhundert erbaut und ist im im Besitz der Adelsfamilie Lobkowitz. Das Eigentumsrecht wurde nur durch Enteignungen 1939-1945 und 1948-1989 unterbrochen.

Terezín - Ohře-Wehr
Die Labe verläßt Roudnice nad Labem und fließt wieder 14 km frei, bevor sie in České Kopisty (Böhmisch Kopist) erneut gestaut wird. Die Schleuse bei km 796 hat die Einfahrt links und liegt nur ca. 3 km vor Litoměřice (s. u.).
Die "Schleusenstadt" České Kopisty ist heute Stadtteil von Terezín (Theresienstadt). Diese Stadt liegt nicht direkt an der Labe, sondern an der Ohře (Eger), wenige Kilometer vor der Mündung in die Labe. Terezín hat eine sehr interessante Geschichte als Festung, Garnisionsstadt und Militärgefängnis. In der Neuzeit ist diese Stadt allerdings sehr unrühmlich durch das Konzentrationslager Theresienstadt bekannt geworden, in das zwischen 1940 und 1945 rund 140.000 Männer, Frauen und Kinder eingeliefert worden. Von hier aus wurden ca. 88.000 Häftlinge in Vernichtungslager deportiert, über 33.000 Häftlinge sind hier umgekommen. Die sehr gepflegte Gedenkstätte liegt nur knapp 2 km vom Labeufer in České Kopisty entfernt. Ein Besuch ist lohnenswert.

Terezín - Ohře-Brücke
Die Ohře (Eger) entspringt im Fichtelgebirge und ist 316 km lang. Die größte Stadt am Oberlauf ist Cheb (Eger). Die größte Stadt an der Ohře überhaupt ist die bekannte Kurstadt Karlovy Vary (Karlsbad). Die Ohře
passiert direkt in Terezín zum letzten Mal ein Wehr und durchfließt kurz dahinter die Ohřebrücke aus dem Jahr 1782, die gleichzeitig die Funktion des Hauptschutzwehres der Festung hatte.
Nach weiteren 2,5 km mündet die Ohře in die Labe. |
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Litoměřice (Leitmeritz) - Labe km 793 (alt 44)

Litoměřice - Labe km 793 (alt 44 ) - Mündung der
Ohře (rechts) in die Labe |
Die Labe erreicht bei km 793 die Stadt Litoměřice mit einer denkmalgeschützten Innenstadt. Die Stadt hat ca. 25.000 Einwohner, liegt am rechten Labeufer direkt gegenüber der Ohře-Mündung.

Litoměřice - Labe km 793 (alt 44)
Litoměřice hat eine sehr wechselvolle Geschichte, die bis in das frühe Mittelalter zurück reicht. Nach der offiziellen Stadtgründung um 1220 setzte eine schnelle Entwicklung ein, die verschiedene Gründe hatte: so die günstigen klimatischen Bedingungen für Obst- und Weinanbau, den Getreidehandel und die sehr verkehrsgünstige Lage. Auch hier wechselten während vieler kriegerischer Auseinandersetzungen im 15. - 17. Jahrhundert, besonders während des Dreißigjährigen Kreiges, oft die Besatzer, verbunden mit großen Zerstörungen. Während zu Beginn des 17. Jahrhunderts die Mehrheit der Stadtbevölkerung lutherisch war, setzte nach dem Dreißigjährigen Krieg eine Gegenreformation ein. So entstand 1655 das "Bistum Leitmeritz", dessen Sitz Litoměřice heute noch ist.
Reichlich erhaltene historische Bauwerke aus Gotik, Renaissance und Barock machen einen Stadtrundgang in dieser modernen Stadt interessant.
Von der Labe aus ist gleich hinter der großen Straßenbrücke rechts "oben"
die beeindruckende Maria-Verkündigungskirche zu bewundern. Am Ufer der Labe selbst ist aber sicherlich der große Bootssteg für Wasserwanderer interessant.
Übrigens:
Litoměřice ist u. a. Partnerstadt von Meißen (ca. 150 km stromab).
Zunächst folgen wir jetzt dem weiteren Weg der Labe (ab hier noch 63 km bis zur Grenze D) und erreichen nach 5 km die nächste Staustufe mit Schleuse bei km 788 in Lovosice. Auch hier in der Mitte der Labe eine Insel, rechts die Staustufe mit Wehr, links die Einfahrt zur Schleuse. Danach folgt ein landschaftlich recht angenehmer und schöner Abschnitt der Labe, bevor die letzte große Staustufe in Tschechien nach 20 km die Labe anstaut. |
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Ústí nad Labem (Aussig) - Labe km 767 (alt 69)

Ústí nad Labem - die letzte tschechische Stauanlage der Labe bei km 767 (alt 69)
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Ústí nad Labem ist mit ca. 95.000 Einwohnern das Zentrum des nordböhmischen Industriegebietes. Bereits vor über tausend Jahren um 990 wurde hier eine Ansiedlung als Handelsplatz erwähnt. Auch hier wie in den benachbarten Städten: Aufschwung im 16. Jahrhundert, Plünderungen und Zerstörungen im Dreißigjährigen Krieg, industrieller Aufschwung im 19. Jh., Konflikte um 1935 durch starken Zuzug von Deutschen. 1945 wurde Ústí nad Labem durch Luftangriffe stark zerstört. Heute ist in der Stadt eine starke Chemie-Industrie angesiedelt. Seit 1991 ist Ústí n. Labem eine Universitätsstadt mit über 7.000 Studenten.

Ústí nad Labem - Stauanlage und Schreckenstein - Labe km 767
Die Stauanlage mit einer großen Doppelschleuse - km 767 (Einfahrt rechts) liegt genau unter der Burg Střekov (dt. Schreckenstein). Die Staustufe wurde 1923-1936 erbaut und dient gleichzeitig als Kraftwerk. Für die Schifffahrt ist diese Stauanlage unerlässlich, die Kulturlandschaft hat jedoch großen Schaden erlitten.
Die Burg Střekov thront über der Labe. Erstmalige Erwähnung fand der Schreckenstein 1316. Hier sollte eine Burg zum Schutz der Schifffahrt gebaut werden: auf einem Felsen 100 m hoch über der Labe. Der
Besitzer des Schreckensteins wechselte des öfteren. Sie gelangte vor über 400 Jahren in den Besitz der Adelsfamilie Lobkowitz, denen die Burg nach der Enteignung von 1948 und der späteren Rückübertragung auch heute wieder gehört. Während des Dreißigjährigen Krieges wurde die Burg mehrmals geplündert. Richard Wagner besuchte 1842 die Burg Schreckenstein und ließ sich hier angeblich für seinen "Tannhäuser" inspirieren. Um die Burg ranken sich viele Legenden und Sagen (www.hrad-strekov.cz/de).

Doppelschleuse in Ústí nad Labem - Labe km 767
Die Burg wurde 1953 unter Denkmalschutz gestellt. Sie kann besichtigt werden, hat mehrere gastronomische Einrichtungen und ist schon wegen des Ausblickes auf
Ústí und die Labe einen Aufstieg wert.
Folgen wir der Labe weiter stromab. Nach der Schleuse durchfließt die Labe in einem großen Rechtsbogen die Stadt
Ústí nad Labem. 3 Brücken überspannen den Fluss. Zunächst passiert die Labe die recht unspektakuläre Eisenbahnbrücke, bevor die zweite, die 1936 übergebene "Beneš Brücke" folgt. Das Wahrzeichen der Stadt ist allerdings die dritte, die "Marienbrücke". Sie wurde 1998 erbaut und fand wegen der interessanten Pylonenkonstruktion (75 m hoch) international Anerkennung. Die Brücke ist 198 m lang, einschließlich der beiden Auffahrten sogar 333 m. Interessant ist, dass sich der Fußweg in der Mitte der Brücke zwischen den Fahrbahnen befindet.
Nach der Marienbrücke schlängelt sich die Labe noch ca. 13 km westlich durch besiedeltes Gebiet, bevor sie sich bei Těchlovice (Tichlowitz) nach Norden wendet. |
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Děčín (Tetschen) - Labe km 741 (alt 95)
Děčín ist die letzte tschechische Stadt, bevor die Labe die Grenze zu Deutschland bei km 730 (alt 106) - links (km 0 der deutschen Zählung) erreicht. Hier befindet sich der wichtigste Eisenbahngrenzübergang zwischen Deutschland und Tschechien (Strecke Berlin-Dresden-Prag). Ansiedlungen gehen bis in die Bronzezeit zurück. Bereits im 10. Jh. gab es hier Befestigungsanlagen zur Kontrolle der Furt, über die ein wichtiger Handelsweg führte. Heute steht an dieser Stelle das Schloss Děčín. Durch jahrelange militärische Nutzung in der Neuzeit (tschechische Kaserne ab 1934, deutsche Truppen im Zweiten Weltkrieg, tschechische Truppen nach dem Zweiten Weltkrieg, sowjetische Truppen nach dem Prager Frühling) wurde die Substanz stark in Mitleidenschaft gezogen. 1991 begannen umfangreiche Restaurierungen. Einige Teile des Schlosses können bereits besichtigt werden. Neben dem Schloss gibt es einen 1670 angelegten wunderschönen Park/Garten, in dem seit 1881 Rosen gezüchtet werden.
Neben Ústí nad Labem ist Děčín mit über 50.000 Einwohnern eines der bedeutendsten Wirtschaftszentren Nordböhmens. Die Labe durchfließt innerhalb der Stadt drei Brücken und begibt sich in ein wunderschönes, bergiges Gebiet, bevor sie sich in Hřensko (Herrnskretschen) von Tschechien verabschiedet.
Bilder haben wir von diesem Abschnitt noch nicht. Wir werden aber diesen Teil der Labe demnächst mit dem Boot befahren und dann mit entsprechendem Bildmaterial (Ústí nad Labem bis Schmilka) berichten. |
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Damit bin ich am Ende der Vorstellung des Laufes meines Heimatflusses auf dem Gebiet Tschechiens. Für jeden Elbefreund ist es sicherlich interessant, woher die Elbe (in Tschechien als Labe) kommt, wo sie entlang fließt, welche interessanten Städte sie berührt und was in Tschechien so ganz anders ist als in Deutschland.
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