Paddeln auf der ELBE km 351 - 523


ELBE-km 370 - (trostlose) Weite zwischen Rogätz und Ferchland (1999)

ELBE km 351 - 386

Nachdem wir Rogätz passiert haben, paddeln wir erwartungsvoll weiter, aber ... eine etwas triste Landschaft ohne Höhepunkte. Keine Auenwälder, hier und da ein Busch, lange Geraden, und bei km 365 bis 369 eine lange links-rechts-Windung der Elbe.

Interessant, oder besser extrem unnatürlich, sind hier in der Gegend von ELBE-km 370 die angegriffenen Buhnen "repariert" worden: nämlich mit Beton zugekippt. Ein für Naturliebhaber recht erschütternder Anblick, man will hier einfach nur durch und hofft auf Besserung.

ELBE-km 370 - betonierte Buhnen (1999)

Bei km 371,5 finden wir rechts den Abzweig zur Schleuse Parey und dem Pareyer Verbindungskanal, der dann nach ca. 3 km auf den Elbe-Havel-Kanal trifft. Man kann diesen Abzweig leicht verpassen, denn er ist recht unscheinbar und man glaubt kaum, dass hier normale Lastenkähne durchpassen, aber es ist so. Wir befinden uns hier übrigens auf einer Höhe von 33 m Über NN.

Etwas "natureller" wird es dann bei km 375 um Ferchland herum. Ein wenig Abwechslung bietet hier auch die Fähre, dann geht es aber wieder für diese Ecke "normal" weiter. Erst ab km 384 ahnt man, dass wieder Landschaft ins Spiel kommt. Links befindet sich Auenwald, und nach der langgezogenen Rechtsbiegung der Elbe endlich wieder etwas für's Auge: wir nähern uns jetzt Tangermünde.




ELBE-km 387 - Tangermünde (1999)

Tangermünde - km 389

Langsam kommt Tangermünde immer näher. Die gesamte Stadt befindet sich auf der linken Elbseite. Eine grosse Boje liegt auf der Spitze zur Hafeneinfahrt. Die Fahrgastschiffe legen im vorderen Bereich an. Am hinteren Ende des Hafens finden wir die Mündung des Tanger, nach dem die Stadt auch ihren Namen bekommen hat.

Hier befinden sich zwei Bootshäuser: vom WSV Tangermünde und vom Tangermünder Ruderclub von 1906 e. V. mit einem herrlich langen Bootssteg, ideal zum Be- und Entladen von Paddelbooten.

Es gibt auf dem Gelände des WSV Zeltmöglichkeiten. Die Alternative: gleich vorn am Ruderbootshaus hängen Namen und Telefon-Nummern. Recht unkompliziert und freundlich wird man aufgenommen, erhält einen Schlüssel, kann Dusche und Küche nutzen und sein Nachtlager einfach im Bootshaus aufschlagen. Eine Übernachtung lohnt sich.

ELBE-km 388 - Tangermünde Einfahrt zum Hafen (1999)


Nur wenige 100 m hinter dem Bootshaus liegt bereits die Stadt. Bis in die heutige Zeit hat sich Tangermünde mit seinen derzeit ca. 10.000 Einwohnern sein mittelalterliches, gemütliches Stadtbild bewahrt. Die alte Burg von Tangermünde wurde bereits 1009 erstmalig erwähnt. Die Stadt entstand im Schutze der Burg vor etwa 800 Jahren.

Den ehemaligen Wohlstand der Hansestadt Tangermünde erkennt man heute noch an den prächtigen Backsteinbauten, wie dem Rathaus und den Stadttoren aus dem 15. Jahrhundert. Ein Rundgang durch die Stadt lohnt sich auf jeden Fall. Sehenswert sind unter anderem das Dominikanerkloster (1438 gegründet, nach der Reformation aufgelöst), der Schrotturm (47m hoher ehemaliger Wehrturm), das Neustädter Tor (eine der schönsten mittelalterlichen Toranlagen Norddeutschlands), das prächtige Rathaus, die St. Stephanskirche u.v.m. Nicht zu vergessen, die vielen Fachwerkhäuser, u. a. der Buhnenkopf, ein Fachwerkhaus, das wie eine Buhne in die Strasse hineinragt. Im Buhnenkopf übrigens haben die Tourist-Information Tangermünde und der Fremdenverkehrsverband "Altmark" ihren Sitz.

ELBE-km 388 - Im Hafen von Tangermünde früh um 7 Uhr(1999)


Alle Sehenswürdigkeiten sind ganz in der Nähe des Bootshauses. Und auf dem Weg durch die herrliche Stadt kann man eine gemütliche Gaststätte neben der anderen entdecken.

Wer in Tangermünde Action erwartet, liegt falsch. Es ist eine gemütliche Kleinstadt mit freundlichen Einwohnern. Echt zum Entspannen und Wohlfühlen. Und das Beste: wenn man mit dem Boot kommt, braucht man in der Stadt keinen Parkplatz: also gute Erholung in Tangermünde - empfehlenswert!

Früh bezeiten geht es weiter. Einsam liegt unser Boot schon auf dem langen Bootssteg des Ruderclubs, auf dem das Packen keinerlei Probleme bereitet.


ELBE-km 395 - Eisenbahnbrücker Berlin-Stendal-Hannover (1999)

ehem. AKW Stendal - km 409

Nachdem wir den Tangermünder Hafen verlassen haben, durchfahren wir erst einmal die neue Strassenbrücke, die 1999/2000 erbaut wurde.

Später kurz vor km 395, die grosse Bahnbrücke der Strecke Berlin-Stendal-Hannover.

Bei km 403 erreichen wir Arneburg, eine kleine Stadt am linken Elbufer mit ca. 1900 Einwohnern.
ELBE-km 403 - Arneburg (1999)

Nach Arneburg erreichen wir nach ca. 6 km am ELBE-km 409 den Standort des ehemaligen Atomkraftwerkes Stendal, das nie in Betrieb genommen wurde. Baubeginn war 1972. Geplant waren 4 Blöcke mit je 1000 Megawatt. Es sollten Druckwasserreaktoren WWER 1000 sowjetischer Bauart zum Einsatz kommen. Nach der Wiedervereinigung kam es zu einer Prüfung der Atomkraftwerke auf dem Gebiet der ehemaligen DDR. Diese Prüfung hat dazu geführt, dass das AKW Stendal nicht weitergebaut wurde, dal dieser Reaktortyp nicht den Sicherheitskriterien entsprach, die innerhalb der Europäischen Union gelten.

ELBE-km 409 AKW Stendal (08/1999) Diese Kühltürme wurden am 29.10.1999 gesprengt.

Übrigens ist das tschechische AKW Temelin, um das es seit dem Baustopp des AKW Stendal heftige Debatten gab und gibt, mit den gleichen Reaktortypen ausgestattet. Trotz aller Proteste wurde im Oktober 2000 die Kettenreaktion im Block 1 im AKW Temelin in Gang gesetzt. Knapp 1 Million Österreicher haben im Januar 2002 ein Volksbegehren gegen das südböhmische Atomkraftwerk unterschrieben. Darin wird ein Wiener Veto gegen den tschechischen EU-Beitritt angedroht, falls der "Schrottreaktor nicht schliessen sollte". Seit dem 03.05.2003 arbeitet das AKW Temelin mit voller Leistung!

ELBE-km 409 Spuntwand direkt am AKW Stendal (08/1999)

Zurück zur Elbe. Bereits 1993 begann der Abriss des AKW Stendal. Bei unserer Tour nach Hamburg im Sommer 1999, konnte man die Kühltürme bereits 20 km vorher sehen. Die Kulisse war gewaltig und beeindruckend, aber nicht mehr nacherlebbar, denn diese Kühltürme verschwanden endgültig nach der Sprengung am 29.10.1999, kurz nach dem Entstehen unserer Fotos.


ELBE-km 416 - Elbfähre Sandau (1999)

Fähre Sandau - km 416

Nach dem AKW Stendal passiert 7 km reichlich wenig, eben paddeln und erholen. Eine kleine Abwechslung erhalten wir bei km 416. Hier kreuzt die Fähre Sandau die Elbe. Allerdings ist rechts und links nichts von einer Stadt oder Siedlung zu sehen. Sandau liegt rechts, etwas abseits von der Elbe.


ELBE-km 428 - Havel-Wehr Neuwerben (1999)

Havelberg - km 422

Bei km 422 erreichen wir Havelberg und die dort verkehrende Elbfähre. Von der Stadt selbst sieht man von der Elbe aus nicht sonderlich viel, denn Havelberg liegt mehr an der Havel als an der Elbe. Ein Abstecher ist möglich und auch lohnenswert, in dem man bei km 422,5 rechts den Schleusenkanal benutzt und so nach ca. 2-3 km Havelberg und die Havel erreicht. Man sagt, Havelberg und Umgebung ist für Wasserwanderer ein muss! Das werde ich mir merken, denn diese Ecke kenne ich leider noch nicht. Zumindest ist bekannt, dass Havelberg eine sehr wassersportfreundliche Satdt ist. Man wird sehen.

Die Havel selbst mündet hier noch nicht. Sie zieht noch einige Kilometer neben der Elbe ihren Weg dahin. Bei km 428 war die ursprünglich "einzige" Havelmündung.

ELBE-km 438 - Havel-Wehr Gnevsdorf (1999)


Um bei Elbhochwasser einen Havelrückstau zu verhindern, wurde Anfang des vorigen Jahrhunderts damit begonnen, die Mündung der Havel durch einen parallel zur Elbe laufenden Kanal, den "Gnevsdorfer Vorfluter", weiter elbabwärts zu verlegen. 1936 entstanden die "Quitzöbeler Wehre", der "Eingang" zum Gnevsdorfer Vorfluter. Nach dem zweiten Weltkrieg entstanden dann noch zur endgültigen Fertigstellung das" Wehr Neuwerben" (bei Elbe-km 428) und das "Wehr Gnevsdorf" (bei ELBE-km 438). Mit diesem System kann bei Elbehochwasser die Havel "abgeschottet" werden. Ein Rückstau aus dem Elbehochwasser wird vermieden und die unterhalb liegenden Ortschaften können entlastet werden, da die Havel für eine gewisse Zeit nicht in die Elbe fliesst und sich im "Zwischenlager" in den dafür vorgesehenen Poldern sammeln kann.

Hinter Gnevsdorf bei km 438 erwarten uns jetzt auf der Elbe zwei Riesenbiegungen: 4 km rechts herum und dann 4 km links herum.

 


Elbe-km 454 - Eisenbahnbrücke (1999)

Wittenberge - ab km 454

Wittenberge, die Elbestadt mit ca. 20000 Einwohnern, empfängt uns schon von weitem mit der gewaltigen Eisenbahnbrücke, die tief ins Land reicht. Gleich hinter der Brücke sind hinter dem Wall erste Häuser zu sehen. Richtig zu Gesicht bekommt man Wittenberge aber erst, nachdem man bei km 455 rechts in den Hafen einbiegt. Hier paddelt man dann dicht an der Stadt vorbei, aber nur an einem ganz kleinen Teil, denn Wittenberge zieht sich ganz schön weit ins Land hinein.



Elbe-km 455 - Wittenberge hinter dem Deich (1999)

Weltbekannt geworden ist Wittenberge, als im Jahre 1903 der amerikanische Singer-Konzern in der Prignitz-Stadt eine Produktionsstätte für Nähmaschinen eröffnete. Aus Singer wurde in der DDR „Veritas“ – einst mit 3000 Beschäftigten grösster Betrieb und Lebensnerv einer ganzen Region. Nach der Wende wurde 1991 das Werk nach 40 Produktionsjahren und mehr als 7,6 Millionen gebauten Haushaltsnähmaschinen endgültig geschlossen.

Viele Vereine tragen heute noch den "Vornamen" Veritas.

ELBE-km 455 - im Hafen Wittenberge (1999)

Der Hafen mit seinen grösseren Frachtschiffen ist schnell durchpaddelt, dann kommt man durch zwei Brücken. Dahinter wird es ruhiger. Von der Elbe sind wir schon über 1 km entfernt. Bis man dann zu den Bootshäusern kommt, ist noch ca. 1 km zu paddeln. Der Wassersportverein mit seinen Motor- und Segel-Yachten hat für Paddler viel zu hohe Stege. Aber etwas weiter sieht man rechts oberhalb den DKV-Winpel (jedenfalls 1999 noch). Und siehe da, an einem kleinen Stückchen "Sandstrand" kann man anlegen und oben, von unten gar nicht zu sehen, steht das Bootshaus der Kanuten. Eine Slipanlage läuft vom Wasser über ca. 100m direkt ins Bootshaus.

Hier besteht die Möglichkeit zu zelten. Aber das Bootshaus bietet auch die Möglichkeit, "Fremdenzimmer" mit richtigen Betten zu nutzen. Es existieren Duschen und 1999 wurde das Anwesen von einer sehr freundlichen Dame "bewacht". Bei ihr erhält man allerlei Informationen und am nächsten Morgen, vor der Weiterfahrt, noch ein kräftiges Frühstück. Damit will ich sagen, dass hier ein Übernachten bei einer längeren Tour durchaus empfehlenswert ist. Wenn man die Stadt kennenlernen will, ist ein Fussmarsch zwar etwas beschwerlich aber sicher lohnenswert. Notfalls besteht die Möglichkeit, ein Fahrrad auszuleihen.

Übrigens, zu DDR-Zeiten zählten die Rennkanuten von "Veritas Wittenberge" zu den Besten. Gleichzeitig war der Verein "Kader-Zulieferant" zum äusserst erfolgreichen Sportclub Magdeburg. Heute noch besitzt der Verein ein Bootsmaterial, wonach sich viele kleine Vereine alle Finger lecken würden.



ELBE-km 475-465 - immer mal wieder ein alter Grenzbewachungsturm (1999)

Schnackenburg - km 475

Mit der langen Elbbrücke der B189 bei km 456 verabschiedet sich Wittenberge. Es geht vorbei an Wahrenberg bei km 460. Am Elbe-km 475 erreichen wir links den Ort Schnackenburg. Ab hier war vor der Wiedervereinigung die Elbe auf ca. 90 km Länge ein scharf bewachter Grenzfluss - links die BRD, rechts die DDR. Einzelne, verlassene Grenzwachtürme waren 1999 noch zu sehen. Ein recht beklemmendes Gefühl kommt da schon beim Vorbeipaddeln auf.

Auf dem weiteren Weg passieren wir bei km 485 Lenzen, eigentlich nur zu erkennen am hier stattfindenden Fährbetrieb. Bewaldet und unscheinbar im Hintergrund kommen wir bei km492 an Gorleben mit ca. 900 Einwohnern vorbei. Überregional bekannt ist Gorleben besonders durch sein Brennelementelager. Ansonsten ist Gorleben eine recht rührige Gemeinde mit Schützenverein, Schifferverein, Angelsportverein, einem Segel- und Sportbootverein mit einem kleinen Sportboothafen u. a.


ELBE-km 506 - Elbbrücke Dömitz (1999)

Dömitz - km 504

Bei km 504 erreichen wir schliesslich Dömitz. Der Anblick vom Wasser her ist angenehm und Ruhe ausstrahlend. Rechts finden wir die Einfahrt in die Müritz-Elde- Wasserstrasse. Von hier aus hat man eine Verbindung von der Elbe über insgesamt 17 Schleusen bis zum Plauer See und zur Müritz. Von der Müritz wiederum kann man dann in Richtung Süden über die Müritz-Hael-Wasserstrasse die Rheinberger Seen und über den Rhin sogar die Ruppiner Seen erreichen.

Wie auch schon Wittenberge verabschiedet sich Dömitz mit einer gewaltigen Elbbrücke (km 506), auf der die Autos wie Matchboxes aussehen.


ELBE-km 523 - Hitzacker (1999)

Hitzacker - km 523

Nur wenige Kilometer hinter Dömitz erreichen wir bei km 523 rechterhand die kleine Stadt Hitzacker. Da der Hafen für Yachten ausgelegt ist, ist das Anlegen für Paddler etwas beschwerlich, aber machbar. Und es lohnt sich. In der kleinen Stadt herrscht rege Betriebsamkeit aber keine Hektik. Gleich oberhalb des Hafens fängt die Einkaufs-Bummel-Meile an. Alles in schönen, gepflegten Fachwerkhäusern verpackt, in angenehmer Atmosphäre. Als Schiffer- und Fischerort lebt die Stadt mit seinen knapp über 5000 Einwohnern u. a. vom Tourismus (2002 fast 40.000 Übernachtungen).

Hitzacker - Sympatische kleine Elbe-Stadt (1999)

ELBE-km 523 - Sportboothafen Hitzacker (1999) Für Paddelboote etwas unbequem anzulegen

Ein kurzer Stadtbummel lohnt sich auf jeden Fall. Einen grossen Supermarkt gibt es allerdings erst am Ende der "Einkaufsmeile", hier bekommt man dafür alles, was ein Camper/Paddler so braucht.



Da die Anlandung in Hitzacker etwas problematisch ist, da der Sportboothafen für Motoryachten ausgelegt ist, empfehle ich eine Weiterfahrt. 11 km stromab am linken Elbufer befindet sich nämlich der Europacampingplatz Klein-Kühren, direkt am Wasser, davon aber dann im nächsten Abschnitt.