Paddeln auf der ELBE km 095-217


Schnackel (rechts) und ich an einem alten km-Schild (1969)

Riesa - km 108

Nach Seusslitz bei km 95 ist Flachland angesagt. Die typischen Elbauen werden uns jetzt mehrere hundert Kilometer begleiten, mit Ausnahme einiger Anhöhen, die aber mit dem Niveau des Elbsandsteingebirges nicht mithalten können. Gleich bei km 96 passieren wir linkerhand das Schloss Neuhirschstein, was sich immerhin auf einem 25m hohen Felsen über der Elbe weithin sichtbar erhebt. Seit 1957 ist dieses Schloss ein Kindersanatorium. Meinen ersten Kontakt mit diesem Ort hatte ich bereits 1969, als ich mit meinem Freund Schnackel bis hierher von Rosslau (km 258) stromauf gepaddelt bin. Autotransport, wie er heute üblich ist, war für uns und unsere Eltern damals nicht möglich. Hier kehrten wir aber dann auch um, wir hatten immerhin zweistellige Kilometertafeln gesehen.

 

ELBE-km 108 - Riesa - Eines der 5 Muskator-Werke (1995)

Und schon sind wir in Riesa, früher bekannt durch das Stahl- und Walzwerk, heute mehr durch erstklassige Sportevents mit Weltniveau. Vom Wasser her ist die Stadt nicht gerade einladend, grosse Industriegebäude versperren den Blick auf die Stadt. Das höchste Gebäude gehört zu den MUSKATOR-Werken, einem der grössten Mischfuttermittelhersteller Deutschlands mit Sitz und Zentralwerk in Düsseldorf sowie weiteren Werken in Bamberg, Deggendorf und Mannheim.

Nach den zwei Riesaer Elbbrücken passieren wir linkenhand noch den Hafen und schon sind wir wieder in den Elbauen auf dem Weg nach Strehla. Hier begegnen wir der ersten grösseren Gierfähre. Diese Fähren werden wir ab jetzt recht oft sehen, bis sie an der Unterelbe dann durch grosse Motorfähren abgelöst werden. Ein wenig Achtsamkeit ist an diesen Fähren immer erforderlich, aber sie werden ja auch am Ufer durch entsprechende Schifffahrtszeichen angekündigt. Gleich links bei km 115 finden wir auch das Bootshaus des Strehlaer SV "Elbflorenz" mit Übernachtungsmöglichkeiten.


ELBE-km 154 - Torgau (1995) Schloss Hartenfels

Torgau - km 154

Bei leichtem Süd-Ost-Wind durchfahren wir eine schöne, gemütliche Landschaft, bei Nord-West-Wind nicht so gemütlich. Wir erreichen zuerst Mühlberg (km 127), bekannt geworden durch die Ereignisse während des grossen Elbehochwassers im August 2002, und dann nach einigen langgezogenen Elbbiegungen bei km 140 die Roland-Stadt Belgern. Die erste urkundliche Erwähnung stammt bereits aus dem Jahr 973.

Achtung: auch hier wieder eine schnelle Gierfähre.

Gemütlich geht es weiter und bei km 154 erreichen wir Torgau, links die Stadt, rechts ausgedehnte Wiesen. Mit knapp 20.000 Einwohnern, einer ersten geschichtlichen Erwähnung vor über 1000 Jahren, dem Schloss Hartenfels, der Altstadt mit mehr als 600 Einzeldenkmalobjekten und dem Torgauer Bier ist hier ein Abstecher schon mal angebracht und lohnenswert.

ELBE-km 155 - Torgau (1997) - Eisenbahnbrücke

Torgau schrieb aber auch Weltgeschichte:

Am 25. April 1945 hatte eine sowjetische Vorausabteilung vom Osten und eine amerikanische Patrouille vom Westen her Torgau erreicht. Auf der zerstörten Elbebrücke reichten sie sich freudig die Hände und besiegelten das nahe Ende des 2. Weltkrieges.

Hier in Torgau ist auch der offizielle Zwischenstop beim MMMM (Meissen-Magdeburg-Mammut-Marathon).

Wir passieren noch die Torgauer Eisenbahnbrücke, übrigens für die nächsten 60 Kilometer die letzte Brücke überhaupt, und paddeln gemütlich durch typische Elbauen weiter.

(Auf dem Bild: Vorn die neue Bogenbrücke, dahinter noch zu sehen die heute bereits abgerissene alte Eisenbahnbrücke)


ELBE bei km 160 - Absolute Ruhe (1999)

Dommitzsch - km 172,5

Ältere Semester sind von der Ruhe ausstrahlenden Landschaft nach Torgau begeistert, jüngere Paddler finden es eher trostlos und langweilig. Hier kann man massenhaft Reiher beobachten.

Nach der riesigen Linksbiegung der Elbe bei km 158-162 können wir bei günstigem Wasserstand schon ab ca. km 165 den hohen Kirchturm von Prettin sehen, haben aber immerhin noch 7-8 km vor uns, bevor wir die Gierfähre Dommitzsch-Prettin erreichen.

Gute Anlegemöglichkeiten, ein Fährhaus mit einer erstklassigen Gastronomie und saubere Zimmer laden direkt zum Übernachten ein. Bereits 1995 haben Petra und ich hier einen Zwischenstop eingelegt.

ELBE-km 172,5 - Fährhaus Dommitzsch (2000)

Der freundliche Wirt stellte sogar eine Garage zum Abstellen des Bootes zur Verfügung, so dass wir nicht mal auspacken mussten, lediglich das Waschzeug und zivilisierte Kleidung. Wir sassen abends noch lange auf der Fährhausterasse, es gab köstlichen Fisch, passenden Wein und am nächsten Morgen nach einer sehr erholsamen Nacht um 7:30 Uhr ein kräftiges Frühstück.

Mittlerweile gibt es 3 Terassen mit Blick auf die Elbe, 17 Betten, Fisch- und Wildspezialitäten.

Anmelden über Tel./Fax (03 42 23) 4 03 46 ist ratsam.

Gegenüber von Dommitzsch liegt Prettin, schon vor über 1000 Jahren urkundlich erwähnt. Hier befindet sich unter anderem das Schloss Lichtenburg, welches 1933 durch das NS-Regime zu einem der ersten Konzentrationslager umfunktioniert wurde. Neben politischen Häftlingen wurden Bibelforscher, Juden, Homosexuelle, Sinti und Roma und vor allem Frauen gefangen gehalten. Seit 1974 befindet sich im Schloss Lichtenburg ein Museum.

Durch langgezogene, entspannende Elbauen paddeln wir weiter und erreichen nach 22 km am Elbe-km 194 die nächste Gierfähre bei Pretzsch, ebenfalls mit Fährhaus incl. Gastronomie und guten Anlegemöglichkeiten. Hier startet übrigens die im Kanu-Sportprogramm ausgeschriebene, jährlich Anfang März stattfindende Mittelelbefahrt in 2 Etappen bis Dessau, im Jahr 2003 bereits zum 20. Mal.

 


ELBE-km 201 - Anlegen beim Kanuverein Elster (1999)

Elster - km 200

Nach Pretzsch wieder erholsame Elblandschaft. bei km 197 biegt die Elbe rechts ab und kurz danach bei km 198,5 mündet rechts die Schwarze Elster in die Elbe. Dann kommt die grosse Linksbiegung, auf jeder Übersichtslandkarte gut erkennbar, die Elbe ändert hier ihre Grundrichtung von nordwest auf west. Und genau hier liegt am rechten Ufer die Stadt Elster, wiedermal mit einer Gierfähre.

Die kleine Stadt hat etwas besonderes:
Einen sehr aktiven Kanuverein mit gepflegten Aussenanlagen zum Zelten und ein gepflegtes Bootshaus mit sauberen sanitären Anlagen: den Kanuverein "Harmonie" Elster (km 201). Das Anlegen geht problemlos, der Parkplatz für eventuellen Bootstransfer liegt so günstig, wie es besser nicht mehr geht. Ganz in der Nähe sind gastronomische Einrichtungen zu finden. Also ideal für einen Zwischenstopp.

ELBE-km 201 - Kanuverein Elster (1999) Petra beim Auspacken, 120 km liegen heute hinter uns (1. Etappe MMMM)

"Zwischenstopp" - das haben sich auch die Organisatoren des Meissen-Magdeburg-Mammut-Marathon gesagt, denn hier endet die erste Etappe von Meissen und hier beginnt am Folgetag die zweite Etappe bis Magdeburg.

Wer aber nur etwas essen und in Elster nicht übernachten will, dem ist zu empfehlen, doch noch 5 km weiterzufahren, denn in dem kleinen Dörfchen Gallin (km 205, rechts) liegt direkt an der Elbe eine bürgerliche Gaststätte, in der man gut und trotzdem preiswert versorgt wird.

Hinter Gallin geniessen wir noch einmal Elb-Auenlandschaft und nähern uns dann einer grösseren Stadt mit hohem kulturellen Wert.


ELBE-km 214 -Wittenberg - Bau der neuen Elbrücken (1999)

Wittenberg - km 212 - 217

Schon von weitem ist der Funkturm zu sehen, Strassenlärm kommt immer näher. Rechts kommt Wittenberg, erst ein Ruderverein, dann ein Marine Sportclub, dann der Kanuverein (km 213) mit Zeltplatz, dazwischen Wohn- und Geschäftshäuser und dann nach einer Linksbiegung die zwei neuen Witterberger Elbbrücken.

Die alte Elbbrücke wurde mittlerweile komplett abgerissen. Es war auch notwendig, die Züge und Autos fuhren im Schritttempo über die Brücke und die Paddler fuhren halb ehrfurchtsvoll, halb ängstlich unten schnell durch. Die neuen Bücken sind auch für Fotografen ein schönes Objekt.

ELBE-km 214 - Wittenberg - Bahn- und Strassenbrücke sind fertig (2001)
Bei km 215 befinden wir uns dann in Höhe des Zentrums von Wittenberg, aber die Stadt liegt nicht direkt am Elbufer, ein grosser Landstreifen liegt dazwischen. Hier allerdings ist die berühmte Schlosskirche als markantes Zeichen sehr gut zu sehen. Das Schloss mit der Schlosskirche Allerheiligen wurden von 1490 bis 1511 unter Friedrich dem Weisen erbaut.

Die ehemalige hölzerne Kirchentür diente der Universität als "Schwarzes Brett". Der Augustinerpater Dr.Martinus Luther heftete am 31.0ktober 1517 seine 95 Thesen an diese Tür, um zur Disputation über den Zustand der Kirche aufzufordern. Damit begann die Reformation. An die Stelle der 1760 verbrannten Holztür ließ König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen eine Bronzetür mit den lateinischen 95 Thesen setzen.

Desweiteren gibt es viele interessante Sehenswürdigkeiten, wie z. B. den historischen Marktplatz mit dem schönen Renaissancerathaus und den beiden Denkmälern von Luther und Melanchthon, die Stadtkirche, die Lutherhalle und vieles mehr...

ELBE-km 215 - Wittenberg - Schlosskirche (11.03.1995)
Das Bild: Ohne Zoom ist dies alles, was von der berühmten Schlosskirche und vom Zentrum von Wittenberg aus dem Boot heraus zu sehen ist - im Sommer etwas grüner.

Gute Ein- oder Aussetzmöglichkeiten mit Stassenanbindung sind bei km 213 (Bootshaus) oder km 216,5 (Schiffsanleger) vorhanden.

Eine Übernachtung mit sanitären und gastronomischen Möglichkeiten in dieser Gegend ist eigentlich nur bei km 213 (Kanuverein Wittenberg) zu empfehlen. Die Alternative für eine Übernachtung liegt 23 km stromab, nämlich erst auf dem Gelände des Coswiger Kanuvereins beim ELBE-km 236. Selbstverständlich gibt es auf dem Weg nach Coswig genügend gute und vor allem auch schöne Möglichkeiten, das Zelt für eine Nacht am Elbufer aufzuschlagen.